Mittwoch, 22. Februar 12 um 18:31 Alter: 87 Tag(e)

Ein Plädoyer für die Nachhaltigkeit


Erster Lippischer Nachhaltigkeitspreis für Dr. Dieter Attig (2.v.l.). Es gratulieren (von links) Heimatbund-Vorsitzender Friedrich Brakemeier, Lippequalität-Vorsitzender Günter Puzberg und der gebürtige Lipper und SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier.

Steinmeier gratuliert Lippequalität zum „Zehnjährigen“

Detmold. Der ehemalige Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo, Dr. Dieter Attig, erhielt jetzt den ersten lippischen Nachhaltigkeitspreis. Zur Preisvergabe von Lippischem Heimatbund und Lippequalität kam mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auch ein prominenter Lipper aus Berlin nach Detmold. Er gratulierte sowohl dem Preisträger als auch Lippequalität. Denn der Verein für Regionalvermarktung feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

„Es ist doch ein Wahnsinn, italienisches Mineralwasser über die Alpen nach Deutschland zu transportieren, während  gleichzeitig frische Milch aus Bayern nach Italien gefahren wird. Milch, die dann als italienischer Mozzarella in deutsche Supermärkte zurückkehrt.“ Der ehemalige Außenminister warb vor rund 200 Gästen im LWL-Freilichtmuseum dafür, die Globalisierung zwar anzunehmen, sie aber auch zu gestalten. Seine Empfehlung: „Regionale Wertschöpfungsketten und regionale Vermarktung müssen als Antwort auf die Globalisierung gestärkt werden.“ Die Betriebe in der Region, vom Landwirt bis zum Handwerker, müssten sich stärker vernetzen, die Vielfalt der örtlichen Wirtschaft mit ihren Arbeits- und Ausbildungsplätzen erhalten und dadurch Zukunft sichern. Lippequalität mit seinen mehr als 100 Mitgliedsbetrieben und Fördermitgliedern leiste genau das und sei führend in der Regionalvermarktung in Nordrhein-Westfalen.

Auch Heiner Sindel, Vorsitzender der Regionalbewegung in Deutschland, plädierte für eine Stärkung der Regionen, um Wirtschaft, Arbeitsplätze und Umwelt nachhaltig zu entwickeln. Gleichzeitig warnte er davor, den Begriff „Region“ inflationär zu verwenden. „In so mancher Discounter-Werbung wird schottischer Lachs als regionales Produkt angeboten. Das ist Verbrauchertäuschung und stützt nur die Marktmacht der Großen.“ Sindel forderte ein Regionalsiegel für echte regionale Produkte und Dienstleistungen.

Friedrich Brakemeier, Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes, und der Vorsitzende von Lippequalität, Günter Puzberg, überreichten anschließend den neu gestifteten Nachhaltigkeitspreis an Dr. Dieter Attig. Der Energiepionier habe bereits vor 30 Jahren in Lemgo die Energiewende vollzogen, die anderswo erst nach Fukushima umgesetzt werde. Damit habe Attig schon früh auf Nachhaltigkeit gesetzt und die Region gestärkt.

Der ehemalige Stadtwerke-Geschäftsführer baute in seiner 20-jährigen Amtszeit in Lemgo sowohl erneuerbare Energien als auch die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung aus, bei der gleichzeitig Strom und Wärme produziert werden. Damit schonte Attig nicht nur die Umwelt, er stärkte auch die kommunalen Stadtwerke gegenüber den Großkonzernen. Die Wertschöpfungskette von der Energieproduktion bis zum Vertrieb hielt Attig in der Region. In seiner Dankesrede plädierte der heute 69-jährige Preisträger für eine überlegte Rekommunalisierung der Stromnetze. Die Großen der Branche hätten die Lust am regionalen Geschäft verloren. Das könne man vor Ort nutzen, um die Regionen nachhaltig zu stärken und eine klimaschonende Energieversorgung vor Ort auszubauen.


 
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