Wort & Co. - Samstag, 19. Mai 2012
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Freitag, 27. Januar 12 um 14:33 Alter: 113 Tag(e)

„Büffeln“ im Ehrenamt


Im Rettungswagen fühlen sich die Johanniter Kirsten Waltemate und Jannik Reue auch als junge Ehrenamtler wie zuhause.

Johanniter qualifizieren junge Rettungssanitäter

Blomberg. Angesichts leerer Stadtsäckel, wird ehrenamtliches Engagement vor Ort immer wichtiger. Doch in vielen Vereinen fehlen besonders junge Menschen, die sich dauerhaft engagieren. Bei den Blomberger Johannitern ist das anders. Kirsten Waltemate (24) und Jannik Reue (19) drückten für ihr Ehrenamt noch einmal die Schulbank – 500 Stunden lang.

Der Lohn der Mühen: Beide legten erfolgreich ihre Prüfungen zum Rettungssanitäter ab, Kirsten Waltemate gar mit Bestnote. Mit diesem Abschluss dürfen sie qualifizierte Krankentransporte übernehmen und in der Notfallrettung mitwirken. Ihre „Feuertaufe“ haben beide schon hinter sich: Sie versorgten zusammen mit ihren Kollegen die 13 Verletzten beim schweren Verkehrsunfall Mitte Januar auf der B1 am „Waldschlösschen“ in Horn.

Die psychische Belastung ist für Rettungskräfte in solchen Situationen hoch, zumal wenn Kinder in die Unfälle verwickelt sind. „Trotzdem darf man das nicht zu nahe an sich heranlassen“, erläutert Kirsten Waltemate. „In dieser Situation muss man erst einmal funktionieren.“ Und Jannik Reue ergänzt: „Hinterher hilft oft das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen, um damit umgehen zu können.“

In ihrer Ausbildung sind die beiden jungen Johanniter auf solche und ähnliche Situationen vorbereitet worden – nicht nur theoretisch. 160 Stunden verbrachten sie auf der Lehr-Rettungswache der Johanniter-Unfall-Hilfe in Blomberg und auf dem dort stationierten Rettungswagen (RTW). Weitere 160 Stunden Ausbildung fanden in der Notaufnahme, auf der Intensivstation und im OP des Detmolder Klinikums statt. Außerdem besuchten Reue und Waltemate die Johanniter-Akademien in Münster und Hannover.

Jannik Reue trat nach einem Schulpraktikum schon mit 14 Jahren der JUH bei: Erste-Hilfe-Kurs, Sanitätshelfer und dann die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Jedes Jahr absolviert er im Ehrenamt rund 300 Stunden bei Dienstabenden und Sanitätseinsätzen wie großen Sportveranstaltungen oder dem Schwalenberger Trachtenfest. Freunde verloren habe er angesichts des hohen Zeitaufwandes nicht“, sagt der Blomberger. „Ich habe hier eher neue Freunde gefunden.“

Kirsten Waltemate engagiert sich bei den Johannitern, seit vor drei Jahren ein naher Familienangehöriger einen Infarkt erlitt. „Und ich konnte nicht helfen. Das sollte mir nicht wieder passieren“, beschreibt sie ihre Motivation. Nach ihrer Ausbildung zur Rettungssanitäterin, geht sie jetzt mit einem noch besseren Gefühl in die Sanitätseinsätze. „Ich weiß, ich bin sehr umfassend ausgebildet. Das gibt Sicherheit.“

Wie lange Waltemate und Reue den Blomberger Johannitern noch als Ehrenamtliche zur Verfügung stehen, ist jedoch unklar. Beide wollen künftig als Rettungsassistenten hauptamtlich für die Johanniter tätig werden. Dafür müssten sie dann noch einmal die Schulbank drücken. Winfried Kipke, Ortsbeauftragter der JUH Blomberg sieht’s gelassen: „Viele unserer Rettungsassistenten arbeiten mittlerweile auch ehrenamtlich für uns. Das könnte ich mir bei den beiden auch gut vorstellen.“